| Thales
gilt als Begründer der Philosophie. Leider ist kein einziges
Werk von ihm erhalten. Alle Informationen über seine Lehren
stammen von späteren Philosophen und Historikern aus der Antike,
deren Wissen sich wohl ebenfalls nur auf mündliche Überlieferungen
stützte. Das Maß der Zuverlässigkeit dieser Quellen
lässt sich heute natürlich nicht mehr restlos feststellen.
Auch bleibt unklar, in wieweit es sich hier bereits um Interpretationen
der jeweiligen Autoren handelt. Selbst der Lebenslauf des ersten
Philosophen bleibt letztlich im Nebel der Geschichte verborgen,
denn die vielfältigen Nachrichten über sein Leben und
seine Persönlichkeit wurden hauptsächlich in der Form
von legendenhaften Anekdoten wiedergegeben, deren tatsächlicher
Wahrheitsgehalt durchaus angezweifelt werden kann.
Thales
wurde in Milet geboren, nach unterschiedlichen Angaben der verschiedenen
Historiker irgendwann zwischen 650 bis 620 vor Christus. Seine
Mutter Kleobulina war vermutlich eine Griechin, der Name seines
Vaters Examyes lässt entweder auf dessen phönikischen
oder aber karischen Ursprung schliessen. Darüber besteht
auch in heutiger Zeit keine Einigkeit. Für die phönikische
Version der Namensauslegung spricht, dass Thales aus einem vornehmen,
alten Handelsgeschlecht stammte, denn die Phöniker vom syrisch-palästinensischen
Küstenstreifen kamen als geschäftstüchtige Händler
nach Griechenland und ließen sich dort nieder. Für
Karien als ursprüngliches Herkunftsland des Vaters kann dagegen
die geografische Lage dieser Region angeführt werden, die
den Küstenstreifen direkt südlich von Milet umfasst.
Dank
des Wohlstands seiner Familie konnte Thales ein Leben ohne finanzielle
Sorgen führen. So unternahm er im jungen Alter erst einmal
eine lange Forschungsreise nach Ägypten, Babylonien (heute:
Irak) und Phönizien (heute: Syrien). Es ist bekannt, dass
Thales auf dieser Reise durch die führenden Gelehrten Ägyptens
und Babyloniens in das ganze damals bekannte Wissen über
die Mathematik und die Astronomie (Sternenkunde) eingeführt
wurde. Als er wieder in die Heimat kam, versuchte seine Mutter
gleich, ihn zu verheiraten. Thales lehnte das aber ab und sagte:
„Noch ist es nicht Zeit dazu.“ Als er dann älter
wurde und die Mutter ihn deshalb immer heftiger bestürmte,
erwiderte er ganz trocken: „Nun ist die Zeit dafür
vorüber.“ So blieb Thales also unverheiratet. Und er
hatte auch keine Kinder. Als er gefragt wurde, warum das so ist,
soll er geantwortet haben: „Aus Liebe zu den Kindern.“
Thales war ganz sicher kein 'Fachidiot', sondern eher ein in allen
Bereichen sehr nachdenklicher Mensch. So wurde er einmal gefragt,
was denn wirklich schwer im Leben sei. Seine Antwort darauf fiel
für einen "Naturwissenschaftler" eher verwunderlich
aus: "Sich selbst zu erkennen".
Durch
seine vielfältigen Beobachtungen und seine theoretischen
Überlegungen entwickelte sich Thales im Laufe der Zeit zu
einem hoch gebildeten und sehr angesehenen Gelehrten, der auf
vielen Gebieten bewandert war. Besonders die Astronomie (Sternkunde),
die Meteorologie (Wetterkunde) und die Mathematik hatten es ihm
angetan. Das brachte ihm schließlich nicht nur einen Platz
unter den legendären „Sieben Weisen“ ein, sondern
er wurde sogar deren bekanntester Vertreter. Dabei muss man wissen,
dass es etliche von Listen gibt, auf denen die Namen der Weisen
aufgeführt werden. Diese stimmen nur bei vier Namen überein:
Thales, Pittakos (beliebter Alleinherrscher von Mytilene auf der
griechischen Insel Lesbos), Bias (Richter und Staatsmann aus Priene)
und Solon (Gesetzgeber Athens). Die anderen drei Namen wurden
je nach Auffassung des Autors hinzugefügt, so dass wir ungefähr
auf 20 erwähnte Personen kommen. Manchmal wurde sogar der
Name einer wichtigen Persönlichkeit aus der Politik mit in
die Liste aufgenommen. Das ist nichts anderes, als wenn DU
heute DEINEN Lehrer einschmuggeln würdest,
um gute Noten zu bekommen. Der Legende nach stellten die "Sieben
Weisen" Grundsätze der praktischen Lebensweisheit auf,
die im zentralen Heiligtum aller Griechen in Delphi eingemeißelt
wurden. Dank dieser Sprüche drang der Ruf der Weisen trotz
der noch fehlenden Massenmedien (TV, Radio, Zeitungen) von Stadt
zu Stadt. Ihre Worte dienten den Eltern zur Erziehung ihrer Kinder
und sie wurden von den politischen Rednern wie auch vor Gericht
stets zitiert, um gehörig Eindruck zu schinden. Auf jeden
Fall muss man davon ausgehen, dass fast jeder in der griechischen
Welt über das Leben, den Tod und die jeweiligen Wundertaten
der Weisen genauestens Bescheid wusste.
Leider
ist heute nicht mehr bekannt, welcher der Sprüche mit welchem
der Weisen verbunden ist. Lediglich der Satz "Die meisten
sind schlecht" wird Bias von Priene zugeordnet. Auf den ersten
Blick scheint das ein harmloser kleiner Spruch zu sein. In Wirklichkeit
ist dieser Satz aber eines der dramatischten Urteile, das in der
griechischen Philosophie je ausgesprochen wurde. Er schlägt
wie eine Bombe ein, weil er jede in irgendeiner Form auf Nächstenliebe
basierende Ideologie einfach zusammenbrechen lässt. Die gut
gemeinten Ideen der Demokratie, des Marxismus, der Anarchie und
des Christentum sind demnach reines Wunschdenken. Später
hat Thomas Hobbes (1588 – 1679) diesen pessimistischen Ansatz
weiter ausgebaut. Sein Leitsatz dabei lautete: "Der Mensch
ist des Menschen Wolf". Natürlich gibt es aber auch
die gegenteilige These. Diese besagt, dass der Mensch von Natur
aus gut ist. Sie wurde unter anderem von Jean-Jacques Rousseau
(1712 – 1778) vertreten. Thales hat die weitreichende Bedeutung
vom Spruch des Bias sicherlich erkannt. Als man ihm als dem Besten
der "Sieben Weisen" einen goldenen Becher überreichen
wollte, lehnte er diese Auszeichnung mit der Begründung ab,
der Becher gebühre nicht ihm, sonders Bias von Priene. Doch
auch dieser verweigerte die Annahme. So reiste der Becher immer
weiter, von einem der Weisen zum anderen, bis er letztlich doch
wieder bei Thales landete. Wenn DU mehr über
seine mathematischen und "naturwissenschaftlichen" Erkenntnisse
erfahren möchtest, die ihm den Titel eines "Weisen"
eingebracht haben, dann hilft DIR der folgende
Link weiter.
Thales
ging es bei seinen Beobachtungen und Überlegungen hauptsächlich
um die Vermehrung des Wissens, ohne dass er dabei nach dem Sinn
und Zweck seines Tuns fragte. Seine Mitbürger waren dagegen
eher praktisch veranlagt und versuchten, möglichst viel Geld
zu verdienen. Deshalb belächelten sie Thales und behaupteten,
dass ein bloß theoretisches Nachdenken zu nichts nützlich
sei. Dieses ärgerte den ersten Philosophen irgendwann so
sehr, dass er sich selbst als gerissener Geschäftsmann betätigte.
Durch sein wetterkundliches und astronomisches Wissen konnte er
vorausgesehen, dass im folgenden Sommer eine reiche Olivenernte
zu erwarten ist. Deshalb pachtete er rechtzeitig sämtliche
Ölpressen im ganzen Gebiet von Milet bis nach Chios und bezahlte
dafür nur eine geringe Geldsumme. Zur Zeit der Ernte wurden
diese Pressen dann überall gebraucht, so dass er sie für
teures Geld weiter vermieten konnte. Dadurch hat Thales sehr viel
verdient. Gleichzeitig konnte er damit beweisen, dass es für
einen Philosophen äußerst leicht ist, reich zu werden.
Anschließend verschenkte er den erworbenen Gewinn mit den
Worten, dass es nicht der Reichtum sei, worauf ein theoretischer
Denker es abgesehen habe.
Auch
im Bereich der Politik mischte Thales tüchtig mit. Er war
sowohl mit Solon als auch mit Lycurgus befreundet, den großen
Gesetzgebern von Athen und Sparta. Beide baten ihn bei der Abfassung
ihrer Gesetzeswerke um Hilfestellung. Dadurch war Thales beim
Aufbau von zwei der einflussreichsten politischen Systeme in der
Antike beteiligt. Wahrscheinlich hat Thales auch hohe politische
Ämter in seiner Heimatstadt bekleidet. Auf jeden Fall wurde
er aber bei wichtigen Entscheidungen als einflussreicher Ratgeber
hinzugezogen. Mehr darüber kannst DU auf
der Seite zur Geschichte Milets erfahren, die unter "Antike
/ Vorsokratiker" zu finden ist.
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Das
bisher Gesagte zeigt eindeutig, dass Thales ohne jeden Zweifel
eine herausragende Persönlichkeit war, da gibt es überhaupt
keine zwei Meinungen. Doch auch solche Menschen haben meistens
einen Kratzer in ihrer glänzenden Metallic-Lackierung. Die
folgende Anekdote zeigt Thales denn auch eher als einen weltfremden
und zerstreuten Proffessor. Danach fiel er während seiner
astronomischen Überlegungen in einen offenen Brunnen, weil
er dabei nach oben zum Himmel schaute. Dieses sah seine junge
und hübsche Hausdienerin, die in einigen Berichten Thraitta
genannt wird. Diese lachte ihn darauf hin aus und sagte im Spott:
"Du bemühst dich zu wissen, was im Himmel ist, aber
es bleibt dir verborgen, was vor deinen Füßen liegt."
Eigentlich spricht nichts gegen einen Unfall, jeder von uns hat
doch schon ein vergleichbares Missgeschick erlebt. Aber vielen
Bewunderern des ersten Philosophen war diese Geschichte denn nun
doch zu menschlich. Ihrer Meinung nach ist Thales freiwillig in
den Brunnenschacht hinunter geklettert, damit er die Sterne besser
beobachten konnte. Denn es ist bekannt, dass sich die Astronomen
häufig der Optik aus der Brunnentiefe zur Berechnung des
Kalenders bedienten. Das war dann eine Art von Teleskop, mit dem
man die Positionen der Sterne auch am Tage ganz gut bestimmen
konnte. Von dieser Auslegung der Anekdote her zeigt das Verhalten
der Hausdienerin dann nur noch, dass sie das Tun des Thales einfach
nicht verstanden hat. Ihr Lachen ist also völlig unbegründet.
Auch das kann natürlich angehen, denn als Frau bekam die
Hausdienerin damals keine gute Ausbildung. Zudem waren die Angestellten
in der Regel Sklaven, was nochmals gegen jede Form von Schulbesuch
spricht. Und dazu kommt noch, dass Thraitta aus dem nichtgriechischen
Thrakien (nördlich von Milet) stammte. Die Griechen glaubten,
dass nur sie über eine wirkliche Bildung verfügten.
Alle anderen wurden als Barbaren bezeichnet. Außerdem waren
die Thraker für ihren Pessimismus bekannt. So soll es bei
ihnen Sitte gewesen sein, Neugeborene gleich mit Trauer und Wehklagen
zu empfangen. Und bekanntlich ist eine pessimistische Lebenseinstellung
kein guter Motor, um nach neuen Erkenntnissen zu suchen. Daneben
gibt es noch eine dritte Variante der Auslegung. Danach ist Thales
nachts ganz bewusst in den Brunnen gestiegen, um die Sterne zu
beobachten. Die Hausdienerin hat ihn dort gesehen, war aber intelligent
genug, sein Handeln zu verstehen. Trotzdem lachte sie ihn aus,
weil er sich mit relativ sinnlosen Aktivitäten aufhielt,
statt mit ihr zu schlafen. Dann ist das Lachen der Thrakerin durchaus
wieder angebracht. Da aber leider nicht überliefert ist,
was Thales ihr entgegnete, kann letztlich jede der drei vorgestellten
Interpretationen richtig sein. DU kannst DIR
also eine aussuchen!
Gestorben
ist Thales irgendwann in der Zeit zwischen 545 und 560 vor Christus.
Einige Historiker behaupten, dass er einen Abhang hinunter fiel
und dabei tödlich verunglückte, während er mal
wieder in die Betrachtung der Himmelssterne versunken war. Glaubwürdiger
scheint jedoch die Geschichte, dass sein Tod im Stadion als Zuschauer
sportlicher Wettkämpfe erfolgte. Danach fand man den toten
Thales dann wie schlafend auf den Stufen liegen, als das Publikum
das Stadion bereits verlassen hatte. Das ist durchaus möglich,
denn die totale Sportbegeisterung der antiken Griechen war geradezu
sprichwörtlich. Es kam durchaus oft vor, dass sich Greise
in glühender Hitze zu einem Wettkampf schleppten. Stundenlang
hielten sie im Gedränge ohne Wasser aus und einige von ihnen
starben dann schließlich an einer Verbindung aus Alterschwäche
und Überhitzung.
Alles
bisher Gesagte reicht nicht aus, um Thales mit Recht als den ersten
Philosophen zu bezeichnen. Über den nachfolgenden Links kannst
DU erfahren, weshalb er diese wichtige Stellung
in der Geschichte der Philosophie einnimmt. Außerdem kommst
DU von dort auch auf die Seite mit seinen metaphysischen
Vorstellungen.
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