Anaximenes von Milet
(ca. 590 v.Chr. – ca. 525 v.Chr.)

Lebenslauf und "naturwissenschaftliche" Erkenntnisse


Anaximenes


Über das Leben und die Persönlichkeit von Anaximenes gibt es nur sehr wenig zu berichten. Er wurde irgendwann zwischen 600 und 575 vor Christus geboren, wahrscheinlich in Milet. In Wirklichkeit weiß man aber nur, dass er dort lebte. Seine Familie gehörte vermutlich zum Kreis der milesischen Adelsgeschlechter, der griechische Name seines Vaters (Erystratos) lässt zumindest darauf schließen. Gestorben ist er zwischen 525 und 528 vor Christus, da sind sich die Historiker ziehmlich einig. Über den Ort seines Todes gibt es wiederum keine Angaben. Anaximenes gilt als Schüler von Anaximander, aber auch mit Thales wird er in den Straßen Milets öfter gesprochen haben. Die ihm zugeschriebenen Erkenntnisse sind ganz offensichtlich dadurch zustande gekommen, dass er sich mit den Theorien seiner beiden Vorgänger intensiv auseinandersetzte. Seine Lehre legte er in verschiedenen Schriften nieder, wobei er seinem Lehrer Anaximander in eigentlich allen Dingen widersprach. Leider ist nur ein einziger Satz von ihm im Original erhalten. Diesen findest DU unter seinen Anschauungen zur Metaphysik.
Fisch
 

Wie auch die anderen vorsokratischen Philosophen beschäftigten ihn vor allem die verschieden Erscheinungen in der Natur, zum Beispiel die Entstehung eines Blitzes und die Herkunft des Regens. Außerdem erkannte Anaximenes, dass der Regenbogen lediglich eine atmosphärische Erscheinung ist, die nichts mit der Göttin Iris zu tun hat. Auch eine Theorie zur Entstehung von Erdbeben geht auf ihn zurück. Letztlich kannst DU aber ganz getrost davon ausgehen, dass alle seine "naturwissenschaftlichen" Einsichten nach dem heutigen Wissensstand schlicht und ergreifend falsch waren.

Das gilt auch und besonders für seine Vorstellung vom Aufbau des Kosmos. Anaximenes behauptete, dass der Kosmos aus einer riesigen Kugel besteht und die sich drehende Erde (wie auch alle anderen Gestirne) eine flache Scheibe ist. Die angenommene Erdscheibe ist genau so groß wie der Durchmesser der Kosmoskugel und teilt diese von der Mitte her in zwei gleiche Hälften. Unter der Erde ist die Kosmoskugel mit einem Meer aus Luft gefüllt, worauf die Erde schwebt. Die Luft ist also der Träger für die Erde. Wie bei jedem kosmologischen Modell, das auf eine Art von Unterlage für die Erde aufbaut, hatte er das Problem, dass diese Unterlage wieder einen Träger braucht. Das lässt sich dann bis in alle Ewigkeit so weiter fortsetzen. Er umging diese Schwierigkeit, indem er behauptete, dass der Erdrand fest mit der umwölbenden Himmelskugel verbunden ist. Daher kann das Luftmeer nicht mehr entweichen. Leider zwang ihn diese Annahme aber zu einer sehr eigenwilligen Lösung, als er die sichtbaren Umlaufbahnen der Planeten beschreiben wollte. Denn wegen der festen Verbindung zwischen Erde und Kosmoskugel können diese Bahnen nicht unterhalb von der Erde weitergehen. Daher musste er auch annehmen, dass die für alle sichtbar über den Himmel gezogenen Planeten letztlich hinter einem hohen Gebirge am Rande der Erdscheibe verschwinden und dadurch unsichtbar für den Menschen werden. Von hier aus kehren sie dann quasi auf einem Schleichweg zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Neben den am Himmel wandernden Planeten gibt es noch die feststehenden Fixsterne. Anaximenes glaubte, dass diese an der eisartigen Außenwand der Kosmoskugel befestigt waren. So phantasievoll-falsch dieses System auch sein mag: Man muss trotzdem anerkennen, dass dieser frühe Philosoph über den Unterschied zwischen Planeten und Fixsternen Bescheid wusste. Und noch etwas mehr hat Anaximenes richtig erkannt, nämlich dass der Mond nicht von sich aus leuchtet, sondern sein Licht von der Sonne empfängt und dieses nur reflektiert. Das ist zwar keine wirklich neue Erkenntnis, weil sie bereits von seinem Vor-Vorgänger Thales verbreitet wurde. Immerhin hat sich Anaximenes hier aber auf die richtige Seite geschlagen, denn sein eigentlicher Lehrer Anaximander behauptete genau das Gegenteil. Wirklich modern ist seine Vorstellung vom kosmischen Entwicklungsprozess. Er glaubte nämlich, dass der Kosmos zwar ewig besteht, aber nicht in der gleichen Form. Die dafür notwendige Umwandlung erfolgte seiner Ansicht nach immer nach bestimmten und festgelegten Zeitvorgaben. Hört sich verdächtig nach der in der moderen Physik häufig vertretenden Theorie eines beständigen Wechsels zwischen Urknall (Entstehen vom Kosmos) und dem "Big Crunch" (Zusammensturz vom Kosmos) an. Anaximenes' Annahmmen über die selbstleuchtenden und feurigen Sterne erscheint dagegen im ersten Moment wieder völlig verrückt. Er behauptete nämlich, dass die ursprünglich der Erde entsprungenen Gestirne aus stark verdünnter Luft bestehen. Und nicht nur diese, sondern überhaupt alle Dinge sind nichts als verdünnte oder verdichtete Luft. Um diesen Ansatz überhaupt verstehen zu können, musst DU erst einmal die Seite zu den metaphysischen Vorstellungen dieses Philosophen durchlesen.

 


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