Wenn man sich für den Beginn der westlichen Philosophie interessiert, kommt man an einer Beschäftigung mit der Geschichte der antiken Stadt Milet einfach nicht vorbei. Alle bedeutenden Naturphilosophen stehen mehr oder minder mit diesem Ort in Verbindung. So kam Thales, der erste aller Philosophen von hier. Ebenso Anaximander, Anaximenes, Hekateios, und Leukipp. Selbst Archelaos von Athen, manchmal als Lehrer des großen Sokrates bezeichnet, stammte ursprünglich aus Milet. Die Heimatstädte von Heraklit (Ephesus), Xenophanes (Kolophon), Anaxagoras (Klazomenai) und Melissos (Samos) waren quasi nur einen Steinwurf entfernt. Pythagoras kam auf seiner Reise nach Milet erstmals mit dem philosophischen Gedankengut in Berührung. Selbst Parmenides und in seinem Schlepptau auch Zenon wurden stark von der milesischen Tradition beeinflusst. Parmenides war nämlich zunächst ein Anhänger der Lehren von Pythagoras und Anaximander, bevor er sich seinem eigentlichen Lehrer Xenophanes zuwandte. Demokrit war ein Schüler vom Milesier Leukipp und Diogenes von Apollonia erneuerte nur die Lehre des Milesiers Anaximenes. Auch bei Empedokles (Sizilien) ist eine Verbindung offensichtlich. Zunächst war er ein Verfechter der pythagoreischen Lehre, später griff er auf die verschiedenen Elemente aus der milesischen Tradition zurück.

Milet in der heutigen Türkei wurde zunächst um 3.000 vor Christus vom alten Volk der Etrusker gegründet. Der ursprüngliche etruskische Name der Stadt war Mylawanda, woraus sich dann erst später die heute bekannte Bezeichnung entwickelte. Zu deutsch bedeutet der Ur-Name so viel wie "Heiliger Ort der Muttergöttin". Ungefähr im 12. Jahrhundert vor Christus übernahmen dann Auswanderer von der griechischen Insel Kreta mit ihrer minoischen Kultur die Stadt. Um 1.000 vor Christus wurden Milet, der umgebende Landstrich der Stadt und die vorgelagerten Inseln der Küste durch ionische Einwanderer aus dem griechischen Mutterland besetzt. Einer Legende nach brachten diese Eindringlinge nicht ihre eigenen Ehefrauen mit, sondern sie nahmen sich die Frauen aus dem südlich gelegenen Landstrich Karien. Natürlich erst, nachdem sie deren Ehemänner umgebracht hatten. Wie dem auch immer sei, jedenfalls bezeichnete man in der Antike das von den eingewanderten Ioniern beherrschte Gebiet einfach als "Ionien", das vor allem von den 12 Stadtstaaten dominiert wurde. Neben Milet gehörten unter anderem auch Priene, Ephesus, Kolophon und Klazomenai dazu. Diese 12 Städte schlossen sich um 700 vor Christus zum so genannten "Ionischen Bund" zusammen, dem etwas später dann auch noch die ursprünglich äolische Stadt Smyrna (heute: Izmir) beitrat. Die Äolier waren, vereinfach gesagt, ein anderer Volksstamm des griechischen Mutterlandes.
Das Gebiet des "Ionischen Bundes" mit seiner hafenreichen Küste war in dessen Blütezeit vom 8. bis zum 6. Jahrhundert vor Christus außerordentlich reich. Es lag genau im Zentrum des Seehandels zwischen Orient, Afrika, dem griechischen Festland und deren Kolonien im südlichen Italien. Daher waren die ionischen Häfen wichtige Umschlagplätze für die Waren aus allen Gegenden der damals bekannten Welt. Man betrieb auch einen schwungvollen Handel mit den reichen Nachbarstaat Lydien, der bequem auf dem Landweg zu erreichen war. Doch der Reichtum Ioniens beruhte nicht nur auf dem Handel, sondern man baute auch selbst ganz edle landwirtschaftliche Produkte wie Wein und Olivenöl im fruchtbaren Küstenstreifen an, die dann teuer verkauft wurden. Zudem beschaffte man sich günstig Rohstoffe aus dem Landesinneren, die dann zu hochwertige Produkte verarbeitet wurden. Geradezu berühmt waren die Möbel und Wollwaren aus Milet. Insgesamt kann man also sagen, dass die Ionier die Gunst ihrer geographischen Lage voll ausgenutzt haben. Milet selbst war damals nicht nur die mächtigste und volkreichste Stadt Ioniens mit zeitweise bis zu 80.000 Einwohnern, sondern sogar die bedeutenste Stadt der ganzen Welt. Der politische und kulturelle Einfluss dieser antiken Weltstadt strahlte in den ganzen griechischen Lebensraum aus. Milet lag im mittleren Teil der heute türkischen Westküste von Kleinasien auf einer hügeligen Halbinsel in der Nähe der Flussmündung des Mäander und war an drei Seiten vom Meer umschlossen. Die Stadt verfügte über insgesamt vier Hafenbuchten und war der wichtigste Handelsumschlageplatz an der ionischen Küste. Man muss sich den Ort als eine lebendige Hafenstadt vorstellen, in der es von Seeleuten und Geschäftemachern nur so wimmelte, wobei der Reichtum der Stadt überall am zur Schau gestellten Prunk zu erkennen war. Milet besaß eine konkurrenzlose Handelsflotte und nutzte diese, um weitverstreut über 90 Kolonien zu gründen, die vom Schwarzen Meer bis nach Ägypten reichten. Eine Kolonie im damaligen Sinne war keine militärische Eroberung (Kolonialismus), sondern einfach eine Ansiedlung von Menschen, die mit ihrem Hab und Gut in eine unbewohnte Bucht zogen, um dort eine neue Stadt zu gründen. Diese blieb dann für gewöhnlich in einer engen Beziehung zu ihrer Mutterstadt. Warum kam es gerade in Milet zum Anfang der abendländischen Philosophie? Diese Frage ist mit Blick auf das Treiben in der Stadt relativ leicht zu beantworten. Denn in allen großen Handelszentren treffen immer wieder die verschiedensten Kulturen mit ihren Sitten, politischen Ordnungen, religiösen Vorstellungen und speziellen Denkweisen aufeinander. Das führte zu einem geistigen Austausch von Neuigkeiten und Informationen aus allen Teilen der Welt. Die Weltoffenheit der Griechen war und ist auch heute noch geradezu sprichwörtlich. Sie sorgte damals für die Bereitschaft, sich gegenüber dem Fremden zu öffnen, es unvoreingenommen zu prüfen und es sich dann gegebenenfalls in eigener Weise anzueignen.
Wenn DU nun auf DEINER Urlaubsreise Milet besuchen solltest, dann wirst DU sicherlich etwas enttäuscht sein. Denn so bedeutsam diese Stadt in der Antike auch war, viel ist davon nicht übrig geblieben. Meine Frau pflegt verfallene Ruinenstädte einfach als Steinhaufen zu bezeichnen. Ganz so schlimm ist es in Milet nicht. Immerhin steht dort noch ein gut erhaltenes Theater. Aber leider wurde dieses erst im 2. Jahrhundert nach Christus gebaut. Und noch schlimmer: Das wohl wichtigste Bauwerk Milets, das Markttor aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert, befindet sich überhaupt nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort. Wenn DU DIR dieses ansehen möchtest, dann musst DU ins Berliner Museum gehen. Denn sowohl dieser Kunstschatz der Antike als auch viele andere wurden im 19. Jahrhundert von deutschen Archäologen aus der türkischen Erde gegraben und nach Deutschland gebracht. Es ist durchaus verständlich, dass die Türkei die Herausgabe verlangt. Bis heute wurde sie aber verweigert, so dass die Besitzansprüche einen sehr wunden Punkt in den deutsch-türkischen Beziehungen bilden.
Wie kam es zum Verfall Milets und damit Ioniens? Vereinfacht gesagt: Die Politiker konnten sich nicht entscheiden, auf die vernünftigen Vorschläge der Philosophen zu hören! Denn der angesprochene "Ionische Bund" war tatsächlich nie mehr als ein lockerer Zusammenschluss, in dem jede einzelne Stadt völlig autonom blieb. Zu einer wirklichen politischen Einigung unter den sich stets bekämpfenden Stadtstaaten des Bundes kam es nie. Der Philosoph Thales erarbeite für den „Ionischen Bund“ eine Verfassung, welche die einzelnen Städte einer Art Bundesregierung mit Sitz in Teos im Zentrum Ioniens unterordnete. Das damit verbundene Ziel war vor allem die Stärkung der Militärmacht zum Schutz gegen den mächtigen Nachbarstaat Lydien, der wiederholt einzelne der ionischen Städte angegriffen hatte. Das lydische Reich entstand um 680 vor Christus im zentralen Kleinasien westlich vom Fluß Halys mit Sardes als Hauptstadt. Den Mächtigen in den betroffenen griechischen Stadtstaaten Kleinasiens fehlte es an der politischen Weitsicht und so lehnten sie den militärstrategisch richtigen Vorschlag Thales’ ab. Die tatsächlichen Gründe für die Ablehnung bleiben zwar im geschichtlichen Dunkeln, aber vermutlich hatte unter anderem die Vorliebe der Griechen für einen übersichtlichen Stadtstaat gegenüber einem großen Flächenstaat damit zu tun. Außerdem werden die einzelnen Städte einfach auf ihre jeweilige Stärke vertraut haben, denn bisher konnten sie allen lydischen Angriffen standhalten. Der weitere Verlauf der Geschichte belehrte sie dann schon kurz darauf eines Besseren. Bereits Anfang des 6. Jahrhunderts vor Christus wurden die ionischen Städte von den Lydern unter deren sprichwörtlich reichen König Kroisos (Krösus) besiegt. Nach der Niederlage konnten die Griechen in Ionien zwar ihre kulturelle Eigenständigkeit bewahren, wurden aber zur Zahlung von Steuern an das lydische Reich herangezogen.
Einige Jahre später griffen die Lyder das persische Reich unter dessen Herrscher Kyros dem Großen an, nachdem König Kroisos zuvor das Orakel in Delphi über seine Erfolgsaussichten befragt hatte. Der Spruch der Phytia lautete, dass er ein großes Reich zerstören würde, wenn er den Grenzfluß Halys überschreite. Das wertete der lydische König als gutes Zeichen und setzte daher zum Angriff an. Der Legende nach konnten seine Truppen den Halys aber nicht überqueren, weil das Wasser darin zu tief war. Darauf hin soll Thales einfach einen Teil des Flusses abgeleitet haben, um diesen für Menschen, Tiere und militärische Geräte gangbar zu machen. Die Wahrheit dieser Geschichte wurde allerdings bereits in der Antike stark angezweifelt. Jedenfalls endete dieser Feldzug im Jahr 546 vor Christus für die lydischen Angreifer als vollständige Katastrophe. Denn Lydien verlor dadurch seine Selbständigkeit und wurde als Provinz in das persische Reich eingegliedert. Mit dem Untergang Lydiens fielen natürlich auch die ionischen Städte unter die persische Herrschaft. Die Folgen waren aber vergleichsweise erträglich, weil man dem Ratschlag Thales’ gefolgt war, ein Bündnisangebot des Lyderkönigs Kroisos vor dem Angriff auf Persien auszuschlagen. Es änderte sich zunächst lediglich der Empfänger der zu zahlenden Abgaben, wobei die innere Unabhängigkeit in politischen und wirtschaftlichen Fragen weitgehend erhalten blieb. Die Vorhersage der delphischen Pythia hatte sich mit diesem Kriegsausgang bewahrheitet, allerdings anders als von König Kroisos erwartet.
Der spätere persische Herrscher Dareios hatte das Regierungssystem in seinem Reich enorm verändert. Diese Umstrukturierung führte in den griechischen Städten Kleinasiens zum Verlust von Freiheiten, zur Beeinträchtigung des Handels und zu einer drastischen Erhöhung der Abgabelasten. Daher nutzten die Ionier im Jahr 495 vor Christus einen unglücklichen Kriegszug Dareios’ für eine Erhebung gegen die persische Oberhoheit. Milet führte diesen ionischen Aufstand an, obwohl bereits der Philosoph Hekateios mit Blick auf die ungeheure Militärmacht davon abgeraten hatte. Anfänglich waren bei dem Aufstand sogar einige Erfolge zu verzeichnen. Doch die dringend benötigte Unterstützung aus dem griechischen Mutterland blieb aus, nur Athen und Eretria halfen den Ioniern zeitweilig mit wenigen Schiffen. So kam es 494 vor Christus nach der Vernichtung der ionischen Seemacht bei der Insel Lade zu einer katastophalen Niederlage. Die Stadt Milet wurde in Trümmer gelegt, die Einwohnerschaft der Stadt verkaufte man als Sklaven. Gleichzeitig nutzte Persien die geringfügigen Hilfeleistungen Athens und Eretrias als Vorwand für eine groß angelegte Strafexpedition gegen Griechenland. Dabei erlitten sie aber im Jahr 490 vor Christus eine völlig unerwartete Niederlage, als Athen die persische Armee bei Marathon vernichtend schlug. Ungefähr zehn Jahre später versuchten die Perser ihr Glück aufs neue, aber auch diesmal endete der von ihnen angezettelte Krieg für sie in einer Katastrophe. Zunächst wurde ein Großteil ihrer Flotte bei Salamis in den Grund gebohrt, dann schlug die attische Armee das persische Heer bei Platää und schließlich ging der Rest der persischen Flotte bei einem weiteren Seegefecht in der Nähe der Insel Samos unter. Athen war zu einer Großmacht aufgestiegen und Ionien befreit.
Als der Dichter Phrynichos sein Drama 'Der Fall Milets' in Athen aufführte, weinte das ganze Theater. Dafür musste er 1.000 Drachmen Strafe bezahlen. Denn das Unglück der Brüder und Schwestern in Kleinasien und damit die entsetzliche Schmach Griechenlands wollte man aus dem Bewusstsein endgültig streichen. Daher wurde Milet im Jahr 479 vor Christus auch wieder aufgebaut. Der Plan zur Bauweise mit sich rechtwinklig schneidenden Straßen und gleich großen Häuservierteln stammte vom milesischen Architekten Hippodamos und wurde überall auf der Welt kopiert. Heute erinnert der antike Stadtplan Milets daher auch irgendwie an eine Miniatur von Manhattan in den USA. Aber das Original ist nicht Manhattan, sondern Milet! Trotz des prunkvollen Neuaufbaus erlangte Milet nie wieder ihre frühere Bedeutung. Später erfolgte eine Abmachung mit den Persern und die Stadt wurde an den Landstrich Karien im Süden angebunden. Im 3. Jahrhundert vor Christus fiel Milet an Makedonien unter Alexander dem Großen, 277 vor Christus an die Galater, dann an die Ägypter, Bergameser und letztlich an die Römer. Unter der Herrschaft des römischen Kaisers Marc Aurel war Milet immerhin noch eine der größten Provinzstädte des römischen Kleinasiens. Aus diesem Grund empfing der Apostel Paulus die Vertreter der Christengemeinde aus Ephesus auch lieber dort als in deren benachbarten Heimatstadt. Als im 4. Jahrhundert nach Christus auch noch die Bucht verlandete, war der wirtschaftliche Untergang der Stadt endgültig besiegelt. Heute liegt die Ruinenstätte von Milet etwa acht Kilometer landeinwärts vom Meer entfernt, die einst vorgelagerte kleine Insel Lade zeichnet sich nur noch als Landrücken im Küstenland ab.
Wesentlich eindrucksvoller als Milet sind die Ruinen des Heiligtums von Didyma, die nur etwa 15 Kilometer entfernt sind. Die Geschichte dieser monumentalen Tempelruine geht bis ins 2. Jahrtausend vor Christus zurück. Hier kommst DU bei einem Besuch voll auf DEINE Kosten! Als Gründer der zweitwichtigsten griechischen Orakelstätte nach Delphi gilt ein Hirte namens Branchos, der seine Inspiration direkt von Apollon empfangen haben soll. Diese Gabe vererbte er dann auf seine Nachkommen weiter, den so genannten Branchiden, die als Priester ihre Sehertätigkeit bis zur Zerstörung des Apollon-Tempels durch die Perser nach dem ionischen Aufstand ausübten. Das Orakel von Dydima erlebte seine große Glanzzeit in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus, als Milet noch die führende Stadt auf der ganzen Welt war. Der Tempel wurde von seinen Besuchern reich beschenkt, besonders der Lyderkönig Kroisos überschüttete das Heiligtum mit Schätzen. Zwischen Dydima und Milet gab es eine 5 bis 7 Meter breite heilige Prachtstraße, die auch als Königsweg bezeichnet wird. Die Ränder dieser Straße waren mit wertvollen Götterstatuen gesäumt, denen bei der großen Prozession im Mai Verehrung erwiesen wurde. Leider wurde im Jahr 1858 eine ganze Kollektion dieser kolossalen Statuen von britischen Archäologen in das Museum nach London gebracht. Als Strafe für die Stadt Milet, die eine Führungsrolle beim ionischen Aufstand gegen Persien bekleidete, zerstörten die Perser im Jahr 494 vor Christus das Heiligtum, verschleppten die Priesterschaft des Orakels und raubten alle Schätze des Tempels einschließlich des kostbaren Apollon-Bildes. Als Milet dann nach dem Sieg der Athener über die Perser wieder aufgebaut wurde, kam auch die Orakelstätte von Dydima erneut zu Ehren. Offenbar unter dem Eindruck des Artemis-Tempels von Ephesus, dem größten griechischen Heiligtum, das je gebaut wurde, wollten die Bewohner von Milet der Nachbarstadt wohl nicht nachstehen. Sie planten das drittgrößte Bauwerk der Antike nach dem bereits genannten Artemision in Ephesus und dem Heraion auf Samos. In die Planung gingen gewaltige Ausmaße ein, obwohl das eigentliche Zentrum der Orakelstätte nur aus einem winzigen Tempelchen mit einem Götterbild und der inspierierenden Quelle bestand. Dieses Heiligtum durfte von den Orakelbesuchern natürlich nicht betreten werden. Ihr Weg endete in einer Vorhalle, in der sie einzeln zur Entgegennahme des Orakelspruchs durch einen Priester aufgerufen wurden. Diese Anordnung umbaute man dann mit einer gewaltigen, 30 Meter hohen Säulenhalle, die 110 Meter lang und 52 Meter breit war. 122 Marmorsäulen mit einer Länge von knapp 20 Metern und einem Durchmesser von fast 3 Metern sah die architektonische Planung vor. Ein Dach war allerdings nicht vorgesehen, weil man es damals nicht schaffte, diese große Fläcke freitragend zu überbrücken. Also ein echtes Monstrum! Leider blieb das Bauwerk trotz 650 Jahren Bauzeit (ca. 300 v.Chr. Bis 350 n.Chr.) letztlich unvollendet, weil sich Milet mit diesem riesigen Tempelprojekt finanziell übernommen hatte. Besonders die Kosten für jede einzelne Säule waren fast unvorstellbar. Daher wurden viele gar nicht hergestellt und manche blieben unverarbeitet stehen. Jede Säule wurde mit dem Schiff von Thasos gebracht und dann vom Hafen Panormas nach Didyma geschleift. Man hat alte Bauabrechnungen aus jener Zeit gefunden, nach denen jede einzelne Säule ungefähr 40.000 Drachmen kostete, was ungefähr 1,5 Millionen Euro entspricht! Ein Steinhauer verdiente hingegen für seine schwere Arbeit nur 2 Drachmen am Tag. In der spätrömischen und frühchristlichen Zeit wurde der Apollon-Tempel in eine Verteidigungsburg umgewandelt. Noch später baute man ihn in eine christlich-orthodoxe Kirche um. Das alles wurde aber im Jahre 1911 wieder abgebrochen, so dass DU heute wieder das alte Heiligtum der Ionier bewundern kannst. Das weiter oben abgebildete, aus einem Fries herausgefallene Medusenhaupt, findest DU übrigens gleich am Eingang des Tempels. Es ist eines der beliebtesten Motive auf Postkarten und Postern in der ganzen Türkei.
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