Hilfsangebote im Suchthilfesystem







Zunächst muss man leider feststellen, dass vielen Kindern suchtkranker Eltern eine wirkliche Hilfe oftmals versagt bleibt, solange die Verleugnung der Suchtkrankheit durch die Eltern es von einer Behandlung fernhält. Denn ein anderer Zugang als über die Eltern ist bei diesen Kindern und Jugendlichen äußerst schwierig. Ganz unabhängig von diesem Basisproblem sind aber die Suchtberatungsstellen die richtigen Anlaufstellen für diese Kinder, auch wenn es aus unserer Sicht bei sehr vielen dieser Einrichtungen in Bezug auf die angebotenen Hilfen für diese spezielle Zielgruppe einiges zu kritisieren gibt. Es steht zwar in den meisten Konzepten der institutionalisierten Suchthilfe, dass neben dem Suchtkranken auch die ganze Familie behandelt wird, aber zwischen dem theoretischen Grundsatz und der gängigen Praxis gibt es ganz erhebliche Unterschiede. Vor allem für die Kinder aus Suchtfamilien werden von den meisten Einrichtungen nur sehr vereinzelte Maßnahmen angeboten und ihre Integration in die verschiedenen Hilfsangebote funktioniert einfach nicht reibungslos. Unsere Kritik bezieht sich dabei einzig und allein auf den fehlenden Automatismus bei der Einbeziehung der Kinder aus suchtbelasteten Familien. Daher sollten SIE sich als Pädagoge auch keinesfalls von unserer Einschätzung der momentanen Situation abgeschreckt fühlen. Denn sobald ein Kind aus einer Suchtfamilie in die Suchtberatungsstelle geht, so wird es dort auch die nötige Hilfe erhalten. Letztlich haben die Kinder nämlich auf diese Hilfestellungen den gleichen Anspruch wie der suchtkranke Elternteil oder dessen Partner. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob sich auch ein anderes Familienmitglied bereits an die Suchtberatungsstelle gewendet hat. Als Pädagoge könnten SIE die einzige vertrauensvolle Person für ein solches Kind sein und ihm vor allem bei der Bewältigung seiner ersten Kontaktaufnahme helfen. Machen SIE dem Kind Mut oder gehen SIE sogar mit ihm zum ersten Gespräch in die Suchtberatungsstelle.

Bei der therapeutischen Arbeit mit Kindern aus Suchtfamilien darf man nicht erwarten, dass diese schnell und bereitwillig über ihre Probleme in der Familie sprechen werden. Im Gegenteil, sie werden eher alles mögliche tun, um das Tabu der Suchterkrankung auch weiterhin zu wahren. Zunächst muss daher am Aufbau von Vertrauen gearbeitet werden, damit überhaupt eine tiefe und tragfähige Bindung zwischen dem Kind und dem Therapeuten entstehen kann. Dabei sollte nie vergessen werden, dass viele Begriffe (z.B. Freundschaft, Vertrauen) bei fast allen Kindern aus Suchtfamilien nur abstrakt und verschwommen im Bewusstsein sind, denn sie weisen keinen realen Bezug zu ihren tatsächlichen Erfahrungen auf. Daher muss ihnen die Bedeutung solcher Begriffe auch durch Beispiele erklärt werden. Die Entwicklung von Vertrauen setzt voraus, dass der Therapeut in seinem Verhalten den Kindern gegenüber immer ehrlich und authentisch bleibt. Denn für genau diesen Bereich haben Kinder aus Suchtfamilien extrem sensible Antennen und ein nahezu untrügliches Gespür. Sobald das Vertrauen solcher Kinder jedoch vom Therapeuten gewonnen ist, haben sie ein enormes Bedürfnis, sich durch offene Gespräche zu entlasten. In diesen geht es vor allem um sehr intensive Gefühle des Schmerzes, der Wut und der Trauer. Hier brauchen die Kinder vom erwachsenen Helfer Klarheit, Akzeptanz, Zuverlässigkeit, Einschätzbarkeit, Eindeutigkeit, Konsequenz und Schutz. Dabei ist es den Kindern äußerst wichtig, dass sie vom Gegenüber als eigenständige Persönlichkeiten gesehen und geschätzt werden.