Stellung der Frauen
im antiken Griechenland

Frauen antik


Im antiken Griechenland zur Zeit der Vorsokratiker spielten die ganz "normalen" Frauen im öffentlichen Leben praktisch keine Rolle. Sie waren politisch entrechtet, vom Bildungsweg ausgeschlossen und unter der Vorherrschaft ihrer Ehemänner oder Väter. Von irgendeiner Form der Selbstbestimmung war absolut keine Spur vorhanden. Zum besseren Verständnis dieser Situation musst DU DIR einfach die Struktur der damaligen Gesellschaftsform etwas genauer ansehen: Für ganz Griechenland war der überschaubare Stadtstaat (Polis) typisch, der mit seiner ländlichen Umgebung eine politische Einheit bildete. Diese Gebilde waren so klein, dass sich die Bürger eines Staates in der Regel allesamt persönlich kannten. Nur in Athen wurde eine Bevölkerungszahl erreicht, die über das kleinstädtische Maß der Zeit hinausging. Der männliche Adel (Aristokratie) mit seinem Landbesitz bildete zunächst die herrschende Schicht in diesen Städten, alle anderen Bürger waren politisch völlig einflusslos. Die Adligen besaßen in der Regel neben ihrem Stadthaus auch noch ein Landgut außerhalb der Stadt, das von einem Verwalter beaufsichtigt wurde. Die dort anfallenden Arbeiten wurden von Sklaven verrichtet. Selbst um den Verkauf der Waren mussten die Adligen sich nicht selbst kümmern. Denn der wurde von professionellen Händlern abgewickelt. Statt dessen trafen sie sich unter freien Himmel auf dem Markt (Agora), dem eigentlichen Platz für Männergespräche und den politischen Entscheidungen. Mit der Zeit formte dann aber das Bürgertum (Schiffsherren, Kaufmänner und Handwerker) zusehends das Gesicht der Städte. Viele Mitglieder dieser Schicht waren häufig so vermögend, dass ihr Reichtum dem der Großgrundbesitzer gleichkam. Trotzdem blieben ihnen politische Rechte zunächst verwehrt. Das änderte sich erst, als sich eine Neuerung in der Kriegstaktik durchsetzte. Während in alter Zeit die Adligen als berittene Einzelkämpfer (Ritter) die Stütze des militärischen Operationen bildeten, gewannen später die so genannten Phalanxen immer mehr an Bedeutung. Darunter versteht man Fußtruppen, die mit Lanzen bewaffnet sind und die in Linien vorrücken. Dazu muss man wissen, dass nur diejenigen für ihre Stadt in den Krieg ziehen mussten, die auch politische Rechte hatten. Die Adligen konnten zwar die Schar der Ritter noch allein stellen, aber für die große Menge der Phalanx-Kämpfer war ihre Anzahl einfach zu klein. Deshalb wurde es notwendig, weitere Kreise des Volkes zum Kriegsdienst heranzuziehen. Dafür musste man ihnen als Gegenleistung dann aber natürch auch politische Rechte zugestehen. So entstand die antike Demokratie, die Macht der Adligen wurde zurückgedrängt. Selbstverständlich nahm die Aristokratie das nicht klaglos hin. Immer wieder kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Manchmal nutzte auch jemand diese Situation aus, um sich zum Alleinherrscher (Tyrann) aufzuschwingen.


Während den Zeiten einer aristokratischen oder tyrannischen Herrschaft hatten die Frauen natürlich überhaupt keine politischen Rechte. Aber wie sah es damit in der antiken Demokratie aus? Zunächst wurde der Kreis der adligen Wahlberechtigten um den Kreis der wohlhabenden Bürger erweitert, wobei die führenden Staatspositionen aber weiterhin dem Adel vorbehalten waren. Später durfte dann jeder Vollbürger jede Position besetzen. Allerdings war das nur rein theoretisch möglich, denn alle Staatsämter waren zunächst reine Ehrenämter. Niemand wurde für seine im Amt aufgewandte Zeit bezahlt. So blieb es weiterhin nur wohlhabenden Männern der Elite vorbehalten, diese Positionen zu bekleiden. Denn diese waren letztlich die Einzigen, die sich die Wahrnehmung ihrer politischen Rechte finanziell leisten konnten. Aber immerhin hatte jeder Bewohner einer Stadt mit dem Status des Vollbürgers das Recht, sich in der Volksversammlung politisch zu äußern und selbst Anträge zu stellen. Und der Kreis von Personen mit den Rechten eines Vollbürgers wurde in Athen sogar um die Lohnarbeiter ohne Besitz erweitert. Natürlich nicht ganz freiwillig! Zunächst konnte diese Bevölkerungsschicht als Leichtbewaffnete die Wehrkraft des Staates nur unbedeutend stärken. Doch als Ruderer auf den Kriegsschiffen hatten diese Menschen einen erheblichen Anteil am Sieg gegen die übermächtig erscheinenden Perser. Dafür verlangten die Lohnarbeiter nun die Aufnahme in den Kreis der Personen mit politischen Rechten. Diese wurden ihnen dann auch teilweise gewährt: Sie bekamen das Wahlrecht in der Volksversammlung, in der die Beamten alljährlich gewählt wurden, ein Zutritt zu den Staatsämtern blieb ihnen aber verwehrt. Insgesamt blieb die ganze Volksversammlung aber lange Zeit ein elitärer Treffpunkt der Wohlhabenden. Die Handwerker und Lohnarbeiter nahmen am politischen Leben nur selten teil, weil ihnen dafür die Zeit und das Geld fehlte. Erst als der Staatsmann Perikles (480 v.Chr. – 431 v.Chr.) die Bezahlung eines bescheidenen Tagegeldes für die Teilnahme am politischen Leben einführte, wurden mehr Bürger aktiv. Leider führte diese Maßnahme aus finanziellen Gründen aber gleichzeitig auch wieder zu einer gewissen Einschränkung des Personenkreises mit politischen Rechten. Denn der Staat hatte nicht genug Geldmittel zur Verfügung, um alle Berechtigten zu bezahlen. Daher wurden nun nur noch diejenigen als Vollbürger angesehen, die sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits von Vollbürgern abstammten. Vorher hatte auch der Sohn eines Atheners und einer Ausländerin das Recht, in die Volksversammlung zu gehen.

Perikles

Perikles sagte: "Die Demokratie darf die Staatsmacht nicht einer Minderheit, sondern nur dem ganzen Volk anvertrauen. Die Gleichheit aller vor dem Gesetz bedingt, dass alle Mitbürger die gleichen Rechte genießen, dass kein Volksteil seine Sonderinteressen auf Kosten der anderen Bürger durchzusetzen versucht." Manchmal wird im Geschichtsunterricht betont, dass die antike Demokratie ein Vorbild für unsere heutige Lebensform darstellt. Das ist nun aber keineswegs der Fall. Hier solltest DU DEINEM Lehrer unbedingt widersprechen! Tatsächlich gaben die demokratischen Verfassungen in der Antike niemals dem ganzen Volk die gleichen Rechte, sondern es wurden immer bestimmte Gruppen bevorzugt (Oligarchie). Nur einem Bruchteil der Einwohner des Stadtstaates (10 bis 30 Prozent) kam der Status eines Vollbürgers zu, der ihn zur Teilnahme am politischen Leben berechtigte. Und dieses waren immer Männer, die mindestens 30 Jahre alt waren. Die Zu- oder Aberkennung der vollen Bürgerrechte hing ausschließlich von der jeweils gültigen Verfassung ab, so daß bestimmte Personen sie zu einigen Zeiten genossen, zu anderen Zeiten aber nicht. Dieses galt vor allem für kleine Bauern, Handwerker und kleine Händler. Ganz grundsätzlich von allen Bürgerrechten ausgeschlossen waren die auf dem Staatsterritorium niedergelassenen Fremden, die mit dem Ehrenbürgerrecht beschenkten Zuwanderer und auch alle Frauen. Ihnen blieb das fundamentale Menschenrecht der politischen Teilhabe per Gesetz verwehrt. Auch gab es im antiken Griechenland keine anerkannte Opposition, wie wir sie in der heutigen Demokratie kennen. Bei unterschiedlichen politischen Auffassungen schickten die Athener einen der beiden Kontrahenten einfach für 10 Jahre in die ehrenvolle Verbannung, wobei er jedoch sein Vermögen behalten durfte. Dafür war lediglich die Abgabe von 6.000 gültigen Stimmen in der Volksversammlung notwendig. Erst nach Ablauf dieser Zeit durfte der Verbannte dann in seine Heimatstadt zurückkehren. Wenn man diese Vorgehensweise auf unsere heutigen Verhältnisse überträgt, dann müssten nach einer Bundestagswahl alle Vorsitzenden der unterlegenen Parteien für glatte 10 Jahre Deutschland verlassen und in die Verbannung gehen.

Die Frauen besaßen also kein Bürgerrecht. Sie übten daher natürlich weder politische Ämter aus, noch nahmen sie offenen Anteil an politischen Aktivitäten. Sicherlich gab es Frauen, die im Verborgenen als Mütter oder Ehefrauen wichtiger Persönlichkeiten großen Einfluss auf den Lauf der Geschichte nahmen. So ist bekannt, dass Alexander der Große (356 v.Chr. - 323 v.Chr.), der König des makedonisch-griechischen Weltreiches, eine enge Beziehung zu seiner intriganten Mutter Olympias hatte. Auch Demarete, die Frau des Tyrannen Gelon (540 v.Chr. - 478 v.Chr.) von Syrakus auf Sizilien (heute: Italien) ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Nach dem Sieg von Syrakus über Karthago (480 v.Chr.) setzte sie sich bei ihrem Mann für die Schonung des Feindes ein. Karthago überbrachte ihr daraufhin einen 2620 Kilogramm schweren Goldkranz als Belohnung. Der silberne Gegenwert dieses Geschenkes wurde auf ihr Betreiben in Form von Münzen unter das syrakusische Volk gebracht. Aber letztlich handelte es sich dabei nur um Ausnahmen. Die Regel war hingegen, dass die griechischen Frauen in der Politik nichts zu melden hatten und rechtlich unter der Vorherrschaft eines Mannes standen. Eine verallgemeinernde Darstellung ihrer damaligen Situation ist nicht ganz einfach, da die Stellung der Frau von einem griechischen Stadtstaat zum anderen beträchtlich variierte. Gute Gegenpole bieten das demokratische Athen und der durch Könige beherrschte "Kriegerstaat" Sparta, zwei der wichtigsten Städte im antiken Griechenland.

Wahrscheinlich nimmst DU nun wie selbstverständlich an, dass den Frauen in der Demokratie Athens mehr Freiheiten gewährt wurden. Aber das war mitnichten so: In Athen durften eine Frau weder über Landbesitz noch über bewegliches Eigentum verfügen. Es war ihr sogar verboten, irgendwelche Geschäfte zu machen. Alles gehörte den Männern! Der Vormund einer unverheirateten Frau in Athen war ihr Vater. Wenn dieser nicht mehr lebte, dann ging dieses Recht auf den nächsten männlichen Verwandten ihres Geschlechts über. Nach der Hochzeit einer Athenerin übernahmen der Ehemann und dessen Familie die Vormundschaft. Und von Liebesheirat konnte dabei keine Rede sein: Eine Bekanntschaft zwischen Braut und Bräutigam vor der Hochzeit war meist ausgeschlossen, den Eltern allein kam das Recht zur Wahl des Partners zu. Bevor es soweit war, wurde erst einmal der Ehevertrag aufgesetzt, der vor allem die Mitgift regelte. Bei der Geburt eines Kindes stand es dann dem Vater frei, dieses als eigenes anzuerkennen oder es einfach von einem Sklaven aussetzen zu lassen, damit es verhungert. Wenn eine Frau keine Brüder hatte, wurde sie sogar mit dem nächsten Verwandten väterlicherseits verheiratet, um das Geschlecht zu erhalten. Denn die Fortpflanzung war ihre Hauptaufgabe. Im spartanischen Obrigkeitsstaat sah das ganz anders aus. Hier war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Frauen über eigenes Vermögen verfügen durften. In der Mitte des 4. Jahrhunderts vor Christus befanden sich etwa 40 Prozent des spartanischen Landes in ihrem Besitz. Die Frauen leiteten ihren Haushalt dabei völlig selbständig. Letztlich war das in Sparta so geregelt, weil es dort kein Familienleben gab. Denn der Staat beanspruchte die Männer als Krieger, die in Zeltgemeinschaften zusammen lebten. Auch in der Politik sollen die Spartanerinnen ein kräftiges Wort mitgeredet haben. Und es ging allgemein das Gerücht um, dass sie ihre Sexualität recht freizügig auslebten. Die Frauen Spartas genossen also eine von allen anderen Griechen als geradezu schockierend empfundene Freiheit. Beim Umgang mit ihren Neugeborenen war aber auch Sparta nicht zimperlich. Schwächliche Babys setzte man einfach aus und ließ sie verhungern, weil sie schlicht und ergreifend nicht nützlich für den Staat waren.

Die spartanische Frau war meistens allein auf ihrem Anwesen, weil sich die Männer in Zeltlagern aufhielten. Der athenischen Frau ging es aber eher noch schlechter. Ihr Mann wurde durch die starke Beanspruchung durch das öffentliche Leben von seinem Haus und seiner Familie ferngehalten. Auch er gehörte vor allem dem Staat und der Politik. Während die Frau Spartas sich aber relativ frei in der Stadt und dem Umland bewegen konnte, gab es in dieser Hinsicht für die Athenerin viele Einschränkungen. In der Stadt sah man nur Frauen armer Familien, die beispielsweise als Marktfrauen etwas zum Lebensunterhalt beitragen mussten. Wenn man es sich aber leisten konnte, dann lebte die Frau in Athen ganz zurückgezogen im Haus ihrer Familie. Diese kleinen, dicht aneinander gedrängten Häuser mit schmalen Eingängen waren absolut keine Prachtbauten, sondern sie wurden vor allem als zweckmäßiger Schutz gegen die Sonne gebaut. Meist waren sie einstöckig und sie hatten zur schmutzigen Gasse hin eine glatte, mit Kalk verputzte Mauer ohne Fenster. Bei den wenigen zweistöckigen Häusern besonders wohlhabender Familien gab es zwar durch Fensterläden verschließbare Mauerlöcher als Fenster, aber diese waren auf das Obergeschoss beschränkt. Licht und Luft drang in die Räume vom Innenhof her, gegen den sich fast alle Häuser öffneten. Die Wohnausstattung des Durchschnittshauses war dürftig, da gab es keinen Luxus. So sah also der für eine Athenerin bestimmte Aufenthaltsort aus. In einem solchen Haus gab es ein spezielles Frauengemach, das gleichzeitig auch noch für die Kinder bestimmt war. Hier verbrachte die Frau die längste Zeit ihres Lebens. Auf der Straße durfte sie sich nur selten sehen lassen, dafür bedurfte es schon ganz bestimmter Anlässe, etwa religiöse Feiern und Theatervorstellungen. Alle unverheirateten Frauen mussten dann immer einen Gesichtsschleier tragen. Vom Zuschauen bei den sportlichen Wettkämpfen waren sie hingegen grundsätzlich ausgeschlossen. Selbst die Einkäufe auf dem Markt durfte eine Athenerin nicht selbst besorgen. Dafür hatte man entweder Sklaven oder ein Mann der Familie erledigte das.

Trinkgelage


Wenn ihr Ehemann zu einem Gastmahl oder Trinkgelage ging, dann begleitete die athenische Frau ihn natürlich nicht. "Ehrenvolle" Frauen waren dabei nicht zugegen, sondern für die weibliche Gesellschaft sorgten nur so genannte Gefährtinnen, die von auswärts kamen und sehr kultivierte Gesprächspartnerinnen waren. Viele von ihnen traten bei diesen Zusammenkünften der Männer auch als Flötenspielerinnen und Tänzerinnen auf. Insgesamt hatten sie aber keinen guten Ruf, man sagte ihnen eine große sexuelle Freizügigkeit nach. Die berühmteste aller Gefährtinnen war Aspasia, die Geliebte des Perikles, die ursprünglich aus Milet kam. Sie siedelte nach Athen über und betrieb dort ein Zwischending aus einem Gesprächssalon und einem Bordell, wo sich die besten Köpfe, bedeutensten Männer und die schönsten Frauen begegneten. Sie selbst galt als vollendete und liebenswürdige Gastgeberin, die Klugheit und der Scharfsinn dieser Frau wurden aufs höchste gerühmt. Immer wieder wurde vermutet, dass so manche Entscheidung des Perikles in Wahrheit ihrem Geist entsprungen ist: vor allem die gewährte Athener Unterstützung für ihre Heimatstadt Milet, nachdem sich diese auf eine kleine kriegerische Auseinandersetzung mit Samos eingelassen hatte. Aspasia und Perikles hatten auch einen gemeinsamen Sohn. Diesem wurde nach der Reform seines Vaters das Bürgerrecht versagt, da seine Elternteile nicht beide aus Athen kamen. Am Gastmahl oder Trinkgelage durfte die Athenerin also nicht teilnehmen. Und wenn ihr Ehemann selbst der Gastgeber war, dann hatte sie die Vorbereitungen zu treffen. Sobald aber die Gäste eintrafen, musste sie sich mit den Kindern ins Frauengemach zurück ziehen.

Frau antik

Die Frau im antiken Griechenland war also sowohl von den öffentlichen Angelegenheiten als auch von den privaten Feiern ausgeschlossen. Eine wirkliche Ausnahme bildete da eigentlich nur die Erlaubnis zur Teilnahme an religiösen Veranstaltungen. Es gab sogar ein großes Fest (Thesmophorien) zu Ehren der Göttin des Ackerbaus und der Feldfrucht (Demeter) zur Zeit der Aussaat, an dem nur Frauen teilnehmen durften. Und in Athen verrichteten mehr als 40 Priesterinnen ihr Amt. Aber alle diese genehmigte Mitwirkungen an der Religion bedeuteten lediglich eine Anerkennung der Tatsache, dass die Gottheiten ihre wilde und unbezähmbare Seite hatten. Die Frauen waren nun diejenigen, die diesen zerstörerischen Aspekt der göttlichen Welt zugleich huldigen und durch offiziell gebilligte Feiern in vernünftigen Bahnen halten sollten. Entspechend schockiert waren die griechischen Männer natürlich, als viele ihrer Frauen Dionysos, dem völlig ungezügelten Gott des Weins und der Ekstase, huldigten. Die Ausübung des verbotenen Kultes führte zu einer unglaublichen Erregung unter ihren Anhängern, die überwiegend aus Frauen bestanden. Zum blanken Entsetzen ihrer Männer stürmten die so genannten "Mänaden" oder auch "Bakchen" nachts mit lodernden Fackeln in die Berge, wo sie durch rasenden Tanz in einen rauschartigen Zustand fielen und so manche Orgie feierten. Dabei zerrissen sie lebendige Tiere, um diese dann roh zu verschlingen. Wer sich ihnen mäßigend in den Weg stellen wollte, lief Gefahr, das Schickal der armen Tiere zu teilen. Das war eine der wenigen Ausbruchsversuche der griechischen Frauen der Antike aus ihrer angestammten Rolle.

Handarbeit  Mutter
   

Ansonsten verlief der gewöhnliche Tag einer durchschnittlichen Frau in der griechischen Antike eher recht öde. In der Regel verwaltete sie das Anwesen der Familie, beschäftigte sich mit hauswirtschaftlichen Aufgaben und sie beaufsichtigte die Haussklaven. Ihr Tag war mit der Herstellung von Handarbeiten (Spinnen, Weben, Nähen) ausgefüllt. Und natürlich fiel die Erziehung der Kinder in ihren Bereich. Die Jungen Athens blieben bei ihr, bis sie 6 oder 7 Jahre alt waren. Dann wurden sie der Aufsicht eines zuverlässigen und gebildeten Sklaven übergeben. Dieser wurde Pädagoge genannt, so wie heute noch alle in der Erziehung Tätigen. Er hatte vor allem das Verhalten und die Kleidung des ihm anvertrauten Zöglings zu überwachen. Außerdem brachte er dem Jungen feine Umgangsformen bei und begleitete ihn auf dessen Schulweg. Der Schulbesuch der Jungen erstreckte sich meist bis zum 16. Lebensjahr, das Erziehungsziel war die körperliche und geistige Vollkommenheit. Dafür wurden folgende Fächer unterrichtet: Lesen, Schreiben, Rechnen, Musik und Sport. Je älter die Jungen wurden, desto mehr Gewicht wurde auf die Vorbereitung zum künftigen Kriegsdienst gelegt. Noch extremer war es in Sparta. Da blieben die Jungen bis zu ihrem 7. Geburtstag bei der Mutter. Danach übernahm der Staat vollständig die Erziehung. Die Jungen wurden aus den Familien herausgenommen und lebten ab dem Zeitpunkt nur noch in Zeltgemeinschaften von Gleichaltrigen. Erziehungsziel war hier eindeutig die Bildung von Kriegern. Die Mädchen gingen hingegen im ganzen antiken Griechenland nicht zur Schule, sondern blieben bis zu ihrer Verheiratung in der Obhut ihrer Mutter. Von der lernten sie alles, was sie für ihr späteres Leben brauchten. Wenn die Mutter zu lesen und zu schreiben verstand, dann unterwies sie ihre Töchter in diesen Künsten. Und die ganz vornehmen Kreise engagierten dafür sogar einen Privatlehrer. Das kam aber selten vor! Insgesamt waren die griechischen Frauen der Antike also von der Bildung fast völlig ausgeschlossen und dieser Zustand setzte sich von Generation zu Generation fort.

Männer


Was die Achtung der Männer gegenüber den Frauen betrifft, so lässt sich keine eindeutige Aussage treffen. Sie wird wahrscheinlich geteilt gewesen sein. Die geschaffenen Kunstwerke lassen vermuten, dass es sehr wohl eine Verehrung der Frau gab. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Dokumente, in denen die Frauen herabgewürdigt werden. Als Beispiel sei hier der Dichter Hesiod angeführt, der in einer Frau nur ein nicht arbeitendes, essendes, sexuell verführendes und zu viele Kinder gebärendes Übel sieht. Allerdings muss dazu erwähnt werden, dass er diese Gedanken zur Zeit der Überbevölkerung in den griechischen Städten geschrieben hat, die zur Notwendigkeit von Auswanderungen führte. In Sparta wäre er dafür sicherlich sehr schwer bestraft worden, denn dort war die Achtung vor der Spartanerin ein selbverständliches Allgemeingut. Sie wurde als Mutter verehrt, die dem Staat gesunde, kräftige Kinder schenkt. Nicht umsonst gab es in Sparta die Sitte, nur in zwei besonderen Fällen Tote durch einen Grabstein zu ehren. Diese Auszeichnung verdienten nur Männer, die in einer Schlacht gefallen waren und Frauen, die im Kindbett verstarben. Die meisten Philosophen der Antike hatten ebenfalls nicht viel für die Frauen übrig. Für Platon, dem wohl bekanntesten unter ihnen, war es klar, dass es nur Männern möglich ist, die höchste Form der Erkenntnis zu erreichen. Die Frauen hielt er dagegen für minderwertige Wesen, die dazu nicht in der Lage sind. Gleichzeitig glaubte Platon an die Wiedergeburt der Seele. Seinem Glauben nach weilt die Seele im Normalfall im Himmel, aber von Zeit zu Zeit geht sie auch in Körper auf der Erde. Die reinsten und höchstentwickelten Seelen suchen sich dann männliche Körper aus. Weniger entwickelte Seelen gehen in Frauen, Sklaven, Tiere oder Pflanzen. Wenn ein Mann beispielsweise im Krieg feige war, dann wurde er nach Platons Ansicht im nächsten Leben nur als Frau wiedergeboren, was für einen Griechen einen schmählichen Abstieg bedeutete. Für seinen Schüler Aristoteles, nicht weniger berühmt als sein Lehrer, waren alle Frauen einfach minderwertig. Von ihm stammt die Definition des Menschen als vernunftbegabtes Tier. Unter einem Menschen verstand er jedoch ausschließlich die erwachsenen freien Männer. Also nicht die Frauen, nicht die Kinder und auch nicht die Sklaven. Der freie Mann war für Aristoteles das Höchste in der Natur, dem alles andere unterworfen werden musste. Er behauptete sogar, dass die männliche Samenflüssigkeit mit Geistkeimen der Vernunft vermischt sei. Daher könne eine Frau auch erst nach dem Beischlaf mit einem Mann zu einem einigermaßen geistigen Wesen werden. Von solchen oder ähnlichen frauenfeindlichen Sätzen wimmelt es nur so in der ganzen Philosophiegeschichte bis zur Neuzeit hin. Eine der wenigen Ausnahmen bildet hier Pythagoras: Er nahm auch Frauen in seine religiös-philosphische Gemeinschaft auf, die dort sogar führende Positionen einnehmen konnten. Das ist unter anderem von Pythagoras' Ehefrau Theano bekannt, mit der er mehrere Kinder hatte. Sie soll nicht nur unterrichtet haben, sondern sie trug sogar zu einigen wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen in erheblichem Maß bei. Das war nun aber nahezu einzigartig im antiken Griechenland, wo die Frauen ansonsten kaum Rechte besaßen!

Es soll hier aber natürlich auch nicht verschwiegen werden, dass es einzelnen Frauen trotz aller Schikanen gelungen ist, in führender Position am öffentlichen Leben teilzunehmen. Allerdings sind uns darüber nur sehr wenige Namen überliefert. Unter anderem sei hier Pheretime genannt, die im 6. Jahrhundert vor Christus in Kyrene die Staatsgeschäfte lenkte. Oder auch Thargelia, die Witwe des Antiochus von Thessalien. Sie regierte 30 Jahre lang das Reich ihres verstorbenen Mannes, bis sie 490 vor Christus getötet wurde. Und auch die beiden Artemisias sind ein Begriff, die vorübergehend in Hallikarnassos (heute: Türkei) das Sagen hatten. Zudem gab es auch eine sehr bekannte Dichterin, deren Werke sowohl von Frauen als auch von Männern verschlungen wurden. Diese hoch geachtete Künstlerin hieß Sappho und stammte selbst vom Adel ab. In ihren Gedichten geht es um adlige Mädchen, die sie selbst erzog. Das war es dann aber schon fast mit der Herrlichkeit, wenn man mal die Mythologie mit ihren Göttinnen und dem Volk der Amazonen (weibliche Kriegerinnen) beiseite lässt. Interessant ist aber noch eine rein weibliche Gemeinschaft auf der griechischen Insel Lesbos. Sie lebte völlig selbstbestimmt, sowohl was die Geschäfte als die Wahl des Liebespartners betraf. Hiervon leitet sich auch die Bezeichnung "Lesbe" für solche Frauen ab, die sich sexuell ausschließlich vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen.

So furchtbar die Situation der griechischen Frauen in der Antike auch gewesen sein mag, wirklich zu bedauern waren aber erst die Sklavinnen und ihre männlichen Leidensgenossen. Diese Menschen waren völlig rechtlos. Ihr Leben war von Unfreiheit, Schutzlosigkeit gegen Misshandlungen durch den Herrn und überaus harte Arbeit geprägt. Ihr Halter konnte über sie nach Belieben verfügen, nur die willkürliche Tötung war durch Gesetze verboten. Aristoteles sprach den Sklaven sogar jedes Menschsein ab und definierte sie als beseeltes Werkzeug, deren Leben als Mittel und Instrument für die Daseinsführung der Bürger verstanden wurde. Die Sklaven und Sklavinnen schufteten überall. Letztlich schafften sie durch ihre Arbeit erst die Möglichkeit zur Herausbildung des demokratischen Systems im antiken Griechenland. Denn dadurch hatten die freien Bürger genügend Freizeit, um sich der Politik widmen zu können. Am besten erging es noch den Sklavinnen und Sklaven, die in der Stadt eingesetzt wurden. Dort dienten sie im Haushalt, im Gewerbe, im Handel und im Geldwesen. Auch der Staat selbst nutzte die Sklaven, beispielsweise als untergeordnete Beamte in der Verwaltung und als Polizisten. Die Behandlung der in der Stadt beschäftigten Sklavinnen und Sklaven war meist noch einigermaßen erträglich. Ganz ähnlich war es um diejenigen bestellt, die im Umland der Stadt zur Bearbeitung der Äcker benutzt wurden. Ihre Arbeit war wohl härter, aber die Bedingungen waren noch nicht mörderisch. Besonders hart war das Schicksal der Menschen, die zur zerstörerischen Schufterei in die Bergwerke oder in die Waffenschmiede abgeschoben wurden. Hierbei handelte es sich ausschließlich um dem Staat gehörende Männer, die weiblichen Sklavinnen blieben davon verschont. Diese armen Sklaven wurden nur so weit versorgt, dass ihre Arbeitskraft notdürftig erhalten blieb. Nach der Arbeit legte man ihnen dann sofort Fesseln an, um ihre Flucht zu verhindern. Besonders ätzend muss es für einen Sklaven gewesen sein, wenn er im Krieg als Waffenträger oder Ruderer eingesetzt wurde, nachdem sein "Besitzer" eine Entschädigung für ihn erhalten hatte. Dann musste er sein Leben für einen Staat riskieren, der ihn nicht besser als ein Tier behandelte. Die Praxis der Sklavenhaltung gab es in jedem griechischen Stadtstaat, ohne Ausnahme! Man wurde Sklave durch Abstammung von einem Sklaven, als Kind eines Verbrechers, durch Kriegsgefangenschaft oder als ein Opfer von Menschenjagden. Die Sklavinnen und Sklaven der griechischen Stadtstaaten waren vorwiegend Angehörige von Fremdvölkern, versklavte griechische Landsleute gab es dort hingegen nur selten. Einkaufen konnte man sie auf den normalen Märkten, wo sie von Sklavenhändlern als Ware angeboten wurden. Eine Erlösung vom Sklavenleben war möglich, wenn der Halter eine Sklavin oder einen Sklaven nach einer gewissen Zeit einfach freiließ. Das machten aber nur einige Privatleute, die Staatssklaven brauchten darauf nicht zu hoffen. Ansonsten gab es noch die Möglichkeit, dass man von Verwandten oder Freunden freigekauft wird. Einige wenige Haussklaven erhielten auch einen geringen Arbeitslohn. Diesen konnten sie dann ansparen, um sich mit dem eigenen Geld selbst vom Sklavendasein zu befreien.


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